Auf ein Wort

Irgendwie dazwischen

Es ist früher Nachmittag, graues Dezemberlicht liegt über dem Tag und ich sitze am Küchentisch zwischen allem und nichts. Der Advent hängt in der Luft, aber nicht so, wie auf den Postkarten. Kein goldener Glanz, kein Zimtduft, kein leises Glöckchenklingen. Eher die Sorte Advent, bei der die To-do-Liste länger ist als der Atem. Vor einigen Monaten habe ich bereits mit dem Advent angefangen. Da ging es um Krippenspiel, Termine, Pläne, Texte. Und jetzt, wo die Kerzen brennen, geht es weiter: mit Proben, Mails, Andachten, den letzten Vorbereitungen. Manchmal denke ich: Ich bin so sehr im Advent organisiert, dass ich gar nicht richtig drin bin.

Zwischen To-Do und Sehnsucht, zwischen Papierstapel und Kalender.Ich bin irgendwie dazwischen. Zwischen Advent und Weihnachten, zwischen den Jahren, zwischen Müdigkeit und Hoffnung. So fühlt sich diese Zeit an. Geht es nur mir so? Aber vielleicht ist genau das der eigentliche Ort des Glaubens: nicht in der perfekten Stimmung, sondern mitten im Unfertigen.Und dann stolpere ich bei der Planung des Gemeindebriefes über die Jahreslosung für 2026: „Siehe, ich mache alles neu.“ Ein Satz, der groß klingt. Fast zu groß, wenn man sich die Welt anschaut. Und ehrlich gesagt: auch zu groß für meinen Schreibtisch, auf dem noch die Krippenspiel-Requisiten zwischen Gemeindebriefentwürfen und kaltem Kaffee liegen. Aber da ist dieses kleine Wort „ich“. Nicht: Du musst alles neu machen. Nicht: Reiß dich zusammen. Sondern: Ich mache. Das entlastet mich. Denn so vieles will man ja neu machen: in der Gemeinde, in der Welt, in sich selbst. Was können wir im neuen Jahr anders machen? Besser? Gerechter? Freundlicher?

Manchmal habe ich Ideen, manchmal Zweifel, manchmal einfach keine Kraft.Und vielleicht ist genau das der Punkt: Das Neue kommt nicht, weil wir es herbeiplanen. Es wächst langsam, still, manchmal kaum sichtbar. In einem Gespräch, das ehrlich wird. In einem Lächeln, das bleibt. In einem Moment, in dem jemand Hilfe annimmt oder anbietet. Vielleicht beginnt das Neue genau da, wo wir kurz stehen bleiben. Tief atmen. Zulassen, dass Gott in unser Dazwischen hineinwirkt: leise, geduldig, unaufdringlich.„Ich mache alles neu“ - das ist kein lautes Versprechen, sondern eine sanfte Zusage. Dass selbst da, wo wir uns festgefahren fühlen, noch Bewegung möglich ist. Dass selbst im Chaos noch ein Licht brennt. Ich schaue auf die Kerze auf meinem Tisch.

Sie flackert ein bisschen, weil die Tür offensteht. Aber sie brennt. Und sie reicht, um den Raum warm zu machen. Vielleicht fängt genau so das Neue an. Nicht mit einem großen Knall, sondern mit einem kleinen Licht, das bleibt, wie Stern über der Krippe.

Eine schöne Adventszeit und einen guten Rutsch in das Neue Jahr.
Ihre Pastorin

Pastorin

Deborah Siemermann